Weltverbessererlied


Komm, wir verbessern die Welt!
Komm, wir verbessern die Welt!

All die Nachrichten, die uns belasten,
die liegen täglich im Zeitungskasten –
Und einer, der ist schuld daran:
Der Zeitungsmann!
Komm, wir erschießen,
wir erschießen den Zeitungsmann!

Komm ...

Mein Gewehr steht im Schrank bei den Besen,
Der Schlüssel lag jüngst auf dem Küchentresen.
Doch ehe wir da jetzt groß wühlen,
lass erst mal spülen!
Der Schlüssel, der find't sich,
Der Schlüssel, der find't sich beim Spülen!

Komm ...

Du, der Schwamm hier ist völlig verdreckt
und die Spülbürste hab ich im Bad entzweckt.
Ersatz aber bietet unter Garantie
jede Drogerie!
Wozu gibt es unten,

Wozu gibt es unten die Eckdrogerie?

Komm ...

Ach, Äpfel und Honig sind ebenfalls alle –
Da fahrn wir doch gleich in die Einkaufshalle!
Doch hab’n die samstags um die Zeit noch offen?
Wolln's hoffen!
Ach was: Lieber googeln,
lieber googeln statt hoffen!

Komm ...

Und dann lass mal eben die E-Mails noch checken.
Verdammt! Muss die Kiste grad jetzt verrecken?
Sag, hast du die Nummer von Ingo mal grad?
Der weiß sicher Rat.
So’n PC-Spezialist weiß Rat.

Komm ...

Längst wär’n sie gelöst, all die Menschheitsprobleme,
wenn nur nicht ständig was dazwischen käme:
Besetzt ist bei Ingo die Leitung!
Aber kommt der nicht morgen zum "Tatort"-Schauen?
Da klärt sich der Blick auf das Erden-Grauen.
Und Sonntags kommt mangels Verbreitung
eh keine Zeitung!
Am Sonntag erscheint keine Zeitung!



(Holger Saarmann)

© by Holger Saarmann, Januar  2017



Do-Gooder Song


Come, let's improve the world!
Come, let's improve the world!

All the news that afflict us,
we find each day in the newspaper box –
And there's one who is to blame for it:
The newspaper man!
Come on, let's shoot,
let's shoot the newspaper man!

Come ...

My gun's in the cupboard with the brooms,
The key was recently lying on the kitchen counter.
But before we dig around there,
let's do the dishes first!
The key will show up,
The key will show up, doing the dishes!

Come ...

Look, this sponge is completely filthy,
and I've misused the dish brush in the bathroom.
But for sure, a replacement will be sold
in any drugstore!
What's the drugstore downstairs,
What's the drugstore on the corner for?

Come ...

Gee, apples and honey are all used up, too –
We better drive straight to the shopping mall!
But are they still open on Saturday at the time?
Let's hope!
I say, hoping! Better google,
Better googling than hoping!

Come ...

And on this occasion, let's quickly check the e-mails.
Damn it! Does this box have to break down just now?
Say, have you got Ingo's phone number at hand?
He'll surely know some advice.
An IT specialist will know some advice.

Come ...

Mankind's problems could have been long dissolved by now,
if not permanently something came in-between:
Ingo's line is off-hook!
But isn't he coming around for "Tatort" on TV tomorrow?
The traditional crime series will clear the view on earthly horror.
And on sunday, for lack of distribution,
there'll be no paper, anyway!
No paper's been published on Sunday!



(Holger Saarmann)

© by Holger Saarmann, Januar  2017




 





"Meins, deins, unsers und die Welt" lautete das "Geschmacksverstärker"-Motto im September 2016. 
Über "Meins" und "Deins" hatte ich schon im April geschrieben (nämlich "Mein" und "Nur für dich"), blieb also noch die Welt.

Die Idee zu diesem Lied geht auf einen Text-Workshop beim Liederfest Hoyschrecke 2004 zurück. Dort präsentierte uns Lutz Keller ein nörgeliges unfertiges Lied über all die Nachrichten, die einem Tag für Tag die Laune an dieser (an sich so schönen) Welt vermiesen. Ich äußerte sinngemäß, daß mir darin die Handlung fehle, ich aber Potenzial sähe: Er möge doch bitte in der nächsten Strophe den Zeitungsmann erschießen. Einigen Kollegen gefiel das. Da Lutz das aber nicht tun wollte, plante ich selber in dieser Richtung weiter, ließ aber nach der ersten Strophe
(und einer Audio-Notiz) davon ab. Mittlerweile war mir nämlich durch die Sago-Seminare bei Christof Stählin eingefallen, wie ich – kraft meiner Friseuse – auf gewaltlose Weise die Welt verbessern konnte. Es bestand also kein unmittelbarer Bedarf mehr an der Hinrichtung des Zeitungsboten. Dennoch fügte ich alle paar Jahre diesem hier neue Zeilen hinzu, und als jener Geschmacksverstärker-Abend (mit Kirsten Fuchs und Nadine Maria Schmidt) nahte, fand ich, daß das Lied ja im Prinzip so gut wie fertig sei. Und daß es sich wunderbar mit Andreas Albrecht am Klavier und im Duett aufführen lassen müsse.





                                           




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