Flogen einst drei wilde Tauben   

 

Flogen einst drei wilde Tauben,

flogen weit, weit übers Meer

Führten mit ein goldnes Ringlein,

doch der Reif ward ihnen schwer.

Schimmernd fiel er in die Fluten,

und das Meer trank seinen Schein

Maidlein stand am andern Ufer,

wollt dem Liebsten nahe sein.

Doch wie sich die Sonne neiget,

ihr ein Schein ins Auge traf

Sah das Meer den Ring verschlingen,

und das Herz ihr jäh zerbrach.



(Trad. aus dem Memelland/ südliches Baltikum)  




 >> CD "Hüt dich, schöns Blümelein!"



Pigeons and Ring



Once there were three wild pigeons,

flying far across the sea.

They carried a golden ring,

but they couldn't bear its weight.

Glissening, it fell into the waters

and the waters drank its gleam.

A girl was standing on the other shore,

to feel close to her Lover.

But in the sinking of the sun,

a gleaming light fell upon her eyes.

She saw the ring being swallowed by the ocean,

and this broke her heart.



(Trad. from the Memelland/ southern Baltics)



>> CD "Der Mond geht auf die Reise"



 


Bis zum Hitler-Stalin-Pakt 1939 gab es in Litauen eine deutsche Minderheit; der Königsberger Bezirk fiel nach der Kapitulation Deutschlands der Sowjetunion zu.

Dieses Lied bitte nicht verwechseln mit den "fünf wilden Schwänen" beide Lieder stammen aus dem südlichen Baltikum (ebenso wie "Mädchen am Haff"). Dieses hat eine wahrhaft unwiderstehliche Melodie, die stark an das englische Volkslied "Cruel Sister" erinnert. Die "Tauben" entdeckte ich bei Hermann Wagner: Das Erbe – Deutsche Volkslieder aus Mittel- und Osteuropa (Bad Godesberg 1972).




Until the Hitler-Stalin-Pakt in 1939, a deeply rooted German minority lived in Lithuania. After the German capitulation, the Koenigsberg district became the Russian Kaliningrad Oblast.

Don't mix this song up with "five wild swans" (maybe known to you in a version by Pete Seeger) – both originate from the south Baltics (same as "Mädchen am Haff"). This one has a really irresistable melody, reminding strongly of the English traditional "Cruel Sister".

I discovered the "Wilde Tauben" in Hermann Wagner: Das Erbe – Deutsche Volkslieder aus Mittel- und Osteuropa (Bad Godesberg 1972).

 




Zogen einst fünf wilde Schwäne



Zogen einst fünf wilde Schwäne, Schwäne leuchtend weiß und schön.
Sing, sing, was geschah? Keiner ward mehr gesehn. Ja –

Sing, sing, was geschah? Keiner ward mehr gesehn.

Wuchsen einst fünf junge Birken frisch und grün am Bachesrand.
Sing, sing, was geschah? Keine in Blüte stand. Ja –

Sing, sing, was geschah? Keine in Blüte stand.

Zogen einst fünf junge Burschen stolz und kühn zum Kampf hinaus.
Sing, sing, was geschah? Keiner kehrt nach Hause. Ja –

Sing, sing, was geschah? Keiner kehrt nach Haus.

Wuchsen einst fünf junge Mädchen schlank und schön am Memelstrand.
Sing, sing, was geschah? Keine den Brautkranz wand. Ja –

Sing, sing, was geschah? Keine den Brautkranz wand.



(Trad aus Litauen, dt. Karl Plenzat 1917)




Die Quellen sind sich uneinig, ob es sich hier um die Übersetzung eines litauischen Liedes oder um ein original deutschbaltisches (bzw. ostpreußisches) Lied handelt. Es ist vage pazifistisch und hat Pete Seeger (neben einem Gedicht in Michael A. Scholochows Roman "Der stille Don") zu seinem Lied "Where have all the Flowers gone" ("Sagt mir, wo die Blumen sind", "Qui peut dire où vont les fleurs") inspiriert.

 




Authorities do not agree if this is the translation of a Lithuanian song or an original German-Baltic (or East-Prussian) one. It is in outlines pacifistic and (besides a poem in Michael A. Scholochows novel "The Silent Don") has inspired Pete Seeger to write his song
"Where have all the Flowers gone" ("Sagt mir, wo die Blumen sind", "Qui peut dire où vont les fleurs").



                                           




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