Willkommen im historischen Archiv.

Hier dokumentiere ich meine bisherige Wegstrecke als Musiker auf der Bühne:

* Shalom-Musik I

* Shalom-Musik II

* Aus Schubläden und Wühlkisten

* Fremdwärts wider Willen


Alle hier aufgeführten Liederprogramme werden (wahrscheinlich) nicht mehr gespielt, aber ihr musikalischer Einfluss ist noch heute hörbar.

Teils kann man das ganz konkret einzelnen Titeln der Setlists entnehmen.






Shalom-Musik I


Jiddische Chansons und Geschichten



Ute Rüppel  (Gesang)

Rüdiger Schwab  (Akkordeon) 

Holger Saarmann  (Gitarre, Gesang, Arrangements)



Die Première war am 7. April 1995 in der "Black Box" 

der Tafelhalle Nürnberg.



"Unser Vorhaben, einen Abend des "Jiddischen Liedes" zu gestalten, wurde von Anfang an kritisch hinterfragt - nicht nur von uns selbst.

Eine Kulturform, die - wie die Menschen, die sie geschaffen haben - ausgemerzt wurde, kann von uns deutschen "Nachgeborenen" bestenfalls nach-geschaffen, vielleicht auch nur beschworen werden. Von vornherein war uns klar, daß der Abend für uns, wie für die Zuhörer, auch ein hartes Stück Trauerarbeit sein würde. Schon die Vorbereitung schmerzte, denn die Zusammenstellung des  Programms wurde zu einer Art Spurensuche, führte über Zeitschriften und (Musik-)Literatur und blieb somit weitgehend theoretisch. Irgendwann standen wir in einem Haufen von Papier und es war uns zum Heulen... Es scheint, die "Gnade der späten Geburt" gibt es nicht. (...)"


(Diesen Text fürs Programm-Faltblatt verfasste der Bamberger Schauspieler und Regisseur Jan Burdinski, der das Programm mit szenischen und dramaturgischen Ideen bereicherte.)




 



 

 




Das war unsere Setliste für Shalom-Musik I:


Hobn mir a nigundl   (Trad)

Dos kelbl   (Jizchak Katzenelson)

Ss brent, brider, ss brent   (Mordechaj Gebirtig)

Oj dortn, dortn   (Trad)

Ojfn pripetschik   (Mark Warschawski)

Nigun   (Simon Cohen)

Aj-lju-lju   (Trad)

Kinderjorn   (Mordechaj Gebirtig)

Di grine kusine   (Trad)

Dem milners trern   (Mark Warschawski)

Schtil, di nacht is ojsgeschternt   (Hirsch Glik)

Lomir sich iberbetn   (Trad)

Rebe Elimelech   (Trad)

Sha! Shtil! (Un as der rebbe tanzt)   (Trad)




Dazwischen gab es Lyrisches, Prosaisches, Biographisches und Sachliches von Klabund, Leo Strauss, Jean Améry, Erich Kästner, George Tabori, André Kaminski, Kurt Tucholsky, Mascha Kaleko und Yehudi Menuhin.

 





Shalom-Musik II



Ute Rüppel  (Gesang)

Jürgen Vogel  (Geige)

Juri Krawetz  (Akkordeon) 

Holger Saarmann  (Gitarre, Gesang)



Premiere war am 6. August 1998 

im Fränkische Schweiz-Museum Tüchersfeld




Setliste für Shalom-Musik II:

 

Hej, klesmorim   (Mordechaj Gebirtig)

Papirossn   (Trad)

Ss brent, brider, ss brent   (Mordechaj Gebirtig)

Sog nit kejnmol   (Hirsch Glik) 

Wuse wilstu far a man?   (Trad)

Du sollst nit gehn mit kajn andere mejdelach   (Trad)

Margeritkelech   (Trad/ Zalman Shneour)

Rejsele   (Mordechaj Gebirtig)

Ich hob dich lib   (Mordechaj Gebirtig)

Oj dortn, dortn   (Trad)

Hava nagila   (Trad)

O' Banions   (Trad)

Schlof schojn majn kind   (Mordechaj Gebirtig)

Papir is doch wajss   (Trad)

Sha! Shtil! (Un as der rebbe tanzt)  (Trad)

Majn jowl   (Mordechaj Gebirtig)

Weder noch   (Georg  Kreisler)

Alte Tränen   (Georg  Kreisler)

Sunrise, Sunset   (Jerry Bock/ Sheldon Harnick)

Di grine kusine   (Trad)


„Das hervorragende Ensemble um die Sängerin und Schauspielerin Ute Rüppel gibt sich dabei alle Mühe, nicht nur den Terror der Vergangenheit sichtbar zu machen; die Chansons und Geschichten sollen auch das jüdische Lebensgefühl, die Freuden und Leiden des Alltags dem Zuhörer nahebringen. (...)

So geht die Band insgesamt sehr liebevoll und engagiert mit ihrem Thema um. Politisch möchte man sich keine Etiketten verpassen lassen, aber die Frage, ob man sich heute als antifaschistisch verstehe, wird eindeutig bejaht. „Wir sind Freunde der jüdischen Kultur“, egänzt Holger Saarmann. Schön, wenn man solche Freunde hat.“

(Fürther Nachrichten, 25. November 1998)

 

 

 




" (...) Mehr als drei Jahre sind vergangen, seit "Shalom-Musik" aus der Taufe gehoben wurde. Zeit für einen Programmwechsel - dachten wir uns, zumal es unseren Akkordeonisten Rüdiger Schwab in ferne Städte zog.

Mit unserem neuen Mann, dem Geiger Jürgen Vogel, nähern wir uns nun ein wenig dem Sound authentischer Volksmusik der osteuropäischen Juden, ohne es aber auf einen Vergleich anzulegen: "Shalom-Musik", das sind osteuropäische Weisen mit jiddischen Texten, gesungen und musiziert von Menschen, die ihre mitteleuropäische Herkunft nicht verleugnen wollen, auch nicht, wenn sie sich an der jiddischen Sprache versuchen, die zwar der unseren eng verwandt, aber doch fremd ist.

Seit zwei Jahrzehnten ist Ute Rüppel auf den Spuren der jiddischen Liedwelt. Auf ihren Konzertreisen, die sie immer wieder auch nach Polen führten, hatte sie vielfach Gelegenheit, sich in staubigen Antiquariaten eine umfangreiche Bibliothek des jiddischen Liedes zusammenzusuchen. Im Gedenkjahr 1995 schien dann der geeignete Moment gekommen, ihrer Herzenssache nach außen zu tragen.

Doch das Ende eines offiziell verordneten Gedenkjahres bedeutet nicht das Ende einer alten Liebe: Die Lieder der Menschen zu singen, die von deutschen Faschisten millionenfach ermordet wurden, das ist mehr als ein verzweifelter, zu später Akt des Widerstandes ihrer Nachkommen. Und so ist es uns gelungen, für das neue Programm, das wir heute für Sie spielen, weitere Perlen zutage zu befördern: Alte Volkslieder und neuere Chansons, Lyrik, Prosa und Anekdoten, nicht nur in jiddischer Sprache, diesem drolligen Gemisch aus Sowas-Wie-Deutsch, Slawisch und Hebräisch. (...)


Die Geschichte des jiddischen Liedes ist zugleich die des jüdischen Ghettos und umfaßt den Zeitraum vom Spätmittelalter bis in die Mitte unseres Jahrhunderts. Dieser traurige Hintergrund, Thema einiger der schönsten Lieder, gab unserem Plan, das Programm im neuen Jahr zugunsten folkloristischer Fröhlichkeit umzugestalten, wenig Raum. Der nationalsozialistische Völkermord - Folge deutscher Abgrenzungsmentalität und Ausgrenzungspolitik, die mit dem "Dritten Reich" ebenso wenig begannen wie endeten - läßt sich auch nach Beendigung des Gedenkjahres 1995 nicht verdrängen. Auch nicht mit fröhlichen Liedern. (...)


(Holger Saarmann, fürs Programm-Faltblatt 1998)



Ute Rüppel, die Mutter des Projektes "Shalom-Musik", hat im Juni 2004 mit der Pianistin Dorota Beres ein weiteres Shalom-Programm aus der Taufe gehoben, Untertitel: "Auf diversen Breitengraden". Mehr dazu hier, auf ihrer Website.







Aus Schubläden und Wühlkisten



Holger Saarmann, erstmals solo

am 25. März 1999 im Haus der Stadtkirche, Nürnberg



Dieser einmalige Konzertabend war zwar ein reines Cover-Programm, zeigt aber recht gut, wo ich musikalisch herkomme.

Durch die Darbietung der klassischen Gitarrenstücke wurde ich von meinem Nürnberger Publikum inoffiziell zu meiner Bamberger Uni-Examensprüfung zugelassen.


Auf einem Handzettel formulierte ich mein musikalisches Anliegen so:

"Mein musikalisches Zuhause ähnelt einem dieser urigen englischen Dorf-Krämerläden, die bis unter die Decke vollgestopft sind mit allen erdenklichen Waren. Angenommen, ein solcher Laden hat ein kleines Schaufenster, dann wird der Krämer eine repräsentative Auswahl aus seinem Sortiment treffen, um diese Fläche zu dekorieren: Er wird etwas aus dieser, etwas aus jener Schublade herausnehmen, mit Hilfe seiner Trittleiter auch von den obersten Regalbrettern Dinge zutage fördern, von denen niemand angenommen hätte, daß es sie hier gibt.

Da so ein Schaufenster für einen Transport zu sperrig ist, habe ich eine Schublade aus meinem musikalischen Krämerladen leergeräumt und zur Wühlkiste umfunktioniert.


In Wühlkisten kommt in der Regel Zeugs, von dem der Krämer annimmt, daß es keiner gebrauchen kann. Wer aber gelegentlich - wie ich - auf Trödelmärkten und in Antiquariaten nach Schnäppchen jagt, weiß, daß solche Wühlkisten manchmal wahre Schatzkisten sein können.

In meinem musikalischen Krämerladen gibt es alte und neue Folksongs unterschiedlicher Herkunft: Britische Inseln, Frankreich, Osteuropa (jiddisch), USA und nicht zuletzt Deutschland. Bekannte und unbekannte "Traditionals", aber auch Musik der anglo-amerikanischen Songwriter-Szene der jüngeren Vergangenheit (Jim Croce, Gordon Lightfoot, Billy Joel, Burt Bacharach, ...). Zwischendurch sorgen akustisch arrangierte Songs aus der Schublade "Rock und Pop" für Überraschungen. Darüber hinaus trägt ein breites Repertoire an Renaissanceliedern (John Dowland, Thomas Campion, ...) zur Vielseitigkeit des Angebotes bei, nicht zu vergessen die Sonderposten an "klassischen" Kompositionen. 

(...)




Meine Setlist:

Here comes the Sun   (George Harrison, arr. Klaus Rudolph)

My singing Bird   (Irish Trad)

The foggy Dew   (Irish Trad)

Reiterlied   (Justus W. Lyra/ Georg Herwegh)

Ich hab die Nacht geträumet   (Trad)

Der Baum des Lebens   (Peter Schirmann/ Rolf Zuckowski)

Fantasia I   (Alonso Mudarra, Sevilla 1546)

Willow Song   (Trad/ William Shakespeare)

Flow my Tears   (John Dowland)

Prélude aus der Suite Nr. 1 für Cello   (J.S.Bach, arr. Sonja Prunnbauer)

Willst du dein Herz mir schenken   (J.S.Bach, arr. Erwin Schaller)

Die Macht der Gewohnheit   (Mikis Theodorakis/ dt. T.Woitkewitsch)

Affair on 8th Avenue   (Gordon Lightfoot)

Photographs and Memories   (Jim Croce)

Meet me on the Corner   (Rod Clements// Lindisfarne)

Main Street   (Bob Seger)

Honey Pie   (Paul McCartney)

16 Tons   (Merle Travis? George Davis?)

Scarborough Fair   (Engl. Trad)

Graf und Magd   (Trad)

Ach Blümlein blau, verdorre nicht   (Trad)

If   (David Gates// Bread)

Come again   (John Dowland)

Wie schön blüht uns der Maien   (Trad)




 



Fremdwärts wider Willen


mit der Schauspielerin Beate Weidenhammer


am 19. März 2000 in Deinsdorf

und am 5. Januar 2002 in Bamberg





>> Zu Beate Weidenhammers Website